Jubiläum! DAS HAUS ZAMIS 50: Lieb Schwesterlein, magst böse sein …

Ich muss gestehen, es ist ein stolzes Gefühl, den fünfzigsten DAS-HAUS-ZAMIS-Band in Händen zu halten. Immerhin liegen die Ursprünge der Serie schon 40 Jahre zurück. Nun ist Band 50 erschienen, ein Roman, den der großartige Michael Marcus Thurner gemeinsam mit mir verfasst hat, rundherum mit vielen Extras: Fotos. Zeichnungen, Glückwünsche von allen Autoren, Zeichnern und Kai Meyer, ein Vorwort des Verlegers Dennis Erhardt und zum allerersten Mal ein Abdruck des allerersten Exposès von Ernst Vlcek.

Hier ist mein Grußwort:

A star was born
Coco Zamis begleitet mein Schriftstellerleben nun schon eine ganze Weile. Um es mit einem abgewandelten Loriot-Zitat auszudrücken: „Ein Leben ohne Coco ist möglich, aber sinnlos.“
Und dennoch macht den Reiz von DAS HAUS ZAMIS aus, dass Coco nicht immer im Mittelpunkt steht. Sie möge mir deshalb verzeihen, dass sie in diesem Jubiläumsband ihrer Schwester Juna den Platz im Scheinwerferlicht überlassen muss. Der rote Jubiläumsteppich ist natürlich dennoch ganz allein für Coco ausgerollt, und das Blitzlichtgewitter gilt nur ihr …

Rückkehr nach Fischmund

Eines der schönst aufgemachten Bücher, an denen ich mitwirken durfte, ist jüngst in der EDITION CL erschienen. In hochwertiger Ausstattung mit Goldprägung auf dem Buchrücken, Schutzumschlag und Lesebändchen, signiert von dem Illustrator Jörg Neidhardt und mir und einer Faksimile-Signatur des leider im letzten Jahr verstorbenen Malte Schulz-Sembten, mit dem mich eine über zwanzigjährige Freundschaft verband. Ohne unsere Freundschaft, die keinesfalls Gleichklang in literarischem Schaffen bedeutete, wäre dieser Roman sicherlich nie entstanden.

Wenn ich heute »Fischmund« lese – und das nach über zwanzig Jahren das erste Mal wieder, befällt mich Wehmut. Es waren stürmische, aber auch äußerst kreative und hoffnungsvolle Zeiten, in der der Roman entstand. Vor allem war ich über zwanzig Jahre jünger. Malte lag damals, 1994, im Krankenhaus, sehr lange, schmerzvolle Wochen, aber ich wage zu behaupten, dass ihn die Arbeit an diesem Roman zumindest die Langeweile hat vergessen lassen.

Da ich neben dem Schreiben auch noch einen Hauptberuf als Texter und Konzeptioner hatte, konnte ich kaum mit Maltes damaligen Arbeitseifer mithalten. Alle paar Tage erreichte mich ein dickes Bündel weiterer handgeschriebener Manuskriptblätter. Meistens mit kleinen Zeichnungen von »Frosch-Fressen« verziert. Manche der Briefe kamen direkt aus »Innsmund«, wie wir »Fischmund« in einer ersten Manuskriptversion genannt hatten.

malteinnsmund

Natürlich hat es uns unbändigen Spaß gemacht, einige gemeinsame Bekannte in dem Roman zu verbraten. So den Horror- und Comiczeichner Rainer Engel, der bei uns Rainer Zadok heißt. Als wir hoffnungsvoll das Manuskript Michael Schönenbröcher, dem verantwortlichen Redakteur der DÄMONEN-LAND-Reihe bei Bastei Lübbe schickten, entwarf Reiner Engel für uns sogar ein passendes Titelbild, das wir gleich mitschickten.

Obwohl ich damals schon einige Heftromane veröffentlicht hatte, also kein Greenhorn mehr war, kommt mir unsere damalige Euphorie im Nachhinein ziemlich naiv vor. Denn »Fischmund« erfüllt nun sämtliche Gesetze eines Romanheftes – nicht. Es fehlt in der ersten Hälfte jegliche Actionhandlung. Stattdessen hangelt sich der Ich-Erzähler wie in einem Computerspiel allmählich im Haus und in Fischmund vor und stößt auf immer mehr Geheimnisse, wovon wiederum nicht jedes am Ende gelöst wird bzw. nicht immer ganz klar ist, was er denn nun geträumt hat und was nicht. Auch die etwas – nun ja – gewöhnungsbedürftige Aussprache Rainer Zadoks hätte uns jeder verantwortungsbewusste Romanheft-Lektor gestrichen. Und ganz unmöglich ist natürlich auch der Part, in der Zadoks Rede nacherzählt wird, der wichtigsten Regel in jedem Schreibkurs widersprechend: Show, don’t tell!

Ich habe den Roman für die vorliegende Veröffentlichung nur behutsam überarbeitet und ihn der heutigen Zeit angepasst. So habe ich die Namen modernisiert und lasse den Roman auch in der heutigen Zeit spielen. Okay, bei einer Sache habe ich mich dann doch nicht entschließen können, sie zu ändern: Damals gab es noch keine Handys. Für Autoren ideal, konnte man doch Hilfe nur mit dem Festanschluss zu Hause oder in einer Telefonzelle herbeirufen. Heutzutage behelfen sich schlaue Autoren damit, ihre Helden und Heldinnen in ausweglosen Situationen betonen zu lassen, dass es kein Netz und somit keinen Empfang gibt. Damals war es halt so, dass unsere Protagonisten vergeblich nach einer Telefonzelle Ausschau halten. Die waren damals übrigens noch gelb. Und Navis gab es natürlich auch nicht – es wäre eine sehr reizvolle Pointe gewesen, wenn der Ich-Erzähler das Örtchen Fischmund in sein Navi eingegeben hätte – und eine quäkende Froschstimme hätte ihn dorthingeleitet. So aber sucht er vergeblich in seinem Straßenatlas.

Blasphemisch, unbeschreiblich, unfasslich, grenzenlos, unvorstellbar – all diese Adjektive, die eine typische Lovecraft-Story ausmachen, fehlten bei uns genauso wenig wie das unerbittliche Ende, auf das der Erzähler letztlich und unausweichbar zutorkelt …

Warum aber hat es so lange gedauert, bis dieser Roman überhaupt das Licht einer Veröffentlichung erblickte? Möglichkeiten hätte es genug gegeben, aber Malte war zu Lebzeiten der Ansicht, es wäre zu viel Arbeit, den Roman zu redigieren. Zumal eine Veröffentlichung ja nur im kleinen Rahmen und damit für eine sehr kritische Phantastik-Leserschaft möglich gewesen wäre. Eine Heftreihe, in der man eigenständige Romane hätte veröffentlichen können, gab es ja seit dem Ende der DÄMONEN-LAND-Reihe nicht mehr. Und je mehr Zeit verging, nun, umso penibler ging Malte generell an seine Arbeiten heran, umso unnachgiebiger wurde sein eigener Anspruch. Dagegen fand ich immer, dass »Fischmund« in dieser damals vorliegenden Version durchaus repräsentabel war und ist.
Insofern möge mir Malte (sollte er mich hören) verzeihen. Aber »Fischmund« ist einfach zu schade, um in irgendwelchen Schubladen dem Vergessen anheimzufallen.
Insofern danke ich Robert N. Bloch für die Suche nach dem (verschollen geglaubten) Manuskript in Maltes Nachlass, Maltes Bruder Konrad für die Erlaubnis, den Roman zu veröffentlichen und Eric Hantsch dafür, dieses Wagnis nicht nur aufzunehmen, sondern das Werk in der denkbar schönsten und prächtigsten Version zu präsentieren.

Betrachtet »Fischmund« also als durchaus lesenswertes Dokument an – als Dokument eines vergangenen Jahrzehnts, als die Horror-Fabrik noch allen offenstand, die Zukunft himmelblau und rosa schien und die Hoffnungen und Träume entsprechend in den Himmel wuchsen.

dorianhunter.de

Seit Ende letzten Jahres schreibe ich – abwechselnd mit Andrea Bottlinger und Dennis Erhardt – alle drei Wochen einen Blogbeitrag für dorianhunter.de
Da ich seit langen Jahren die Exposés für die Serie DAS HAUS ZAMIS schreibe (die „große Schwester“-Serie zu DORIAN HUNTER ex DÄMONEN-KILLER) liegt es nahe, dass ich hauptsächlich zu dieser Serie etwas beisteuere. Pünktlich jeden Freitag erscheint ein neuer Beitrag auf dorianhunter.de

Das berühmte erste Mal (3): Die Hure des Teufels

„Dachbodenfunde gibt es nur bei Ebay“: Aus dem Grimoire der Coco Zamis (4)

Gewinnt ein signiertes DAS HAUS ZAMIS-Buch mit exklusivem Extra!

Gegen Viehpest und Feuersnoth: Aus dem Grimoire der Coco Zamis (3)

Neuheiten-Tag!

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Konzertbericht: The House of Usher

„Through The Gates Of Oblivian“-Tour
Freitag, 23.10.2015
Forum Bielefeld

Nach Sweet Ermengarde, die sehr melodiösen Rock zelebrierten, und Reptyle, die einen eher brachialen Sound bevorzugen, betraten The House of Usher als letzte Band die Bühne des Forum in Bielefeld und vereinten die positiven Aspekte des bisher Gehörten mit ihren ganz eigenen Interpretationen heutigen Gothic Rocks. Das Forum ist dabei wie geschaffen für die Bands. Gegenüber, durch eine mehrspurige Schnellstraße getrennt, befinden sich ein riesiger Multiplexkinopalast, diverse Systemgastronomien und die ganze Glitzerwelt großstädtischer Vergnügungsindustrie. Zum Forum gelangt man von dort aus über eine Fußgängerbrücke, einen schmalen Schlammpfad vorbei an graffitibesprühten Baracken und Mauern. Hier dringt Licht nur wenig hin, andere Leute würden es als Angstraum bezeichnen. Dann ein langer, hoher Gitterzaun, und man sieht dahinter schon das Forum, das angesichts der Scheinwelt auf der anderen Seite wie eine vertraute Hallig Heimat wirkt.
Vorab: Rock ohne Schlagzeuger, geht das gut? Ja, es funktionierte, dank eingespielter und sehr authentisch wirkender Vorabprogrammierung, wobei der musikalische Fokus eh auf dem beidseitigen filigranen Artilleriefeuer der beiden Gitarristen liegt. Beide, jeder für sich, Urgesteine der Band. Georg Berger ist seit immerhin zehn Jahren dabei und Markus Pick, Bandgründer und mehrmaliger Wiedereinsteiger, prägten den treibenden Sound und stellten erfrischend authentisch unter Beweis, dass es nicht auf einen bestimmten Look ankommt, sondern auf das dunkle Herz, das umso heftiger schlägt. Jörg Kleudgen würde es als Spirit bezeichnen.
Jörg Kleudgen, gewandet im figurnahen Mumienoutfit, verweigert sich seit jeher jeglicher genreüblicher Posen. Auf der Bühne erinnert er mal an Cesare, den Somnambulen aus Dr. Caligari, mal verwandelt er die winzige Bühne zur imaginären Studierstube, wenn er wie Dr. Faustus statt mit seinem Famulus Wagner mit dem Mikrofonständer um Wahrheit ringt.
Letztlich um Wahrheit, bzw. das Ringen um die Fragen und Antworten darum, geht es auch in den Songs, die allesamt nicht aus der aktuellen CD stammen. Technische und personelle Gründe sind dafür sicherlich ein Grund. Letztlich zeigt es aber auch die Konsequenz, mit der The House of Usher den gegenwärtigen Übergangsstatus in der Bandgeschichte nach dem schmerzlichen Ringen dokumentieren. Intern geht der Blick eh wieder nach vorne: mit neuen alten Mitgliedern und dem nächsten ins Auge gefassten Albumprojekt.
Den Auftritt beendeten The House of Usher mit dem umjubelten Cover Transmission von Joy Divsion und unterstrichen damit, woher die Wurzeln jenes Spirits stammen und damit auch das Fundament der Band.
Letztlich lernte auch ich an diesem Abend zwei Dinge.
Erstens: Dass Backstage und auf der Bühne nach wie vor geraucht werden darf, und keine Frage, niemand zelebriert die „Rockender-Gitarrist-auf-der-Bühne-mit-Zigarette-im Mundwinkel“-Pose so lässig und beiläufig wie Georg Berger.
Zweitens: Bleibt die Frage, was, wenn schon nicht die Welt, so doch The House of Usher im Innersten zusammenhält. Es ist das Ringen um Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit, das letztlich immer auch schmerzhafte Entscheidungen bedingt, aber unbedingt nötig ist, um Stillstand oder gar Einsturz des Bandgebäudes zu vermeiden. Insofern ist mir nicht bange, dass auch in den nächsten Jahrzehnten am Hause Usher gebaut werden wird. Denn letztlich lautet die Antwort auf die ewig faustische Frage: Es ist die Veränderung, die zählt Jetzt. In jeder Sekunde. In Ewigkeit.
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Meine liebsten Liebesromane

Frank Duwald und mich verbindet eine jahrzehntelange literarische Partnerschaft. Für sein Online-Magazin „Dandelion“ bat mich Frank, meine Lieblingsbücher zum Thema Liebe zu beschreiben.

Liebe ist für mich etwas Vergängliches. Das Haltbarkeitsdatum ist schnell überschritten. Schneller, als es so manches Liebespaar in der Realität wahrhaben will.
Lieben kann ich nur im Hier und Jetzt. Nicht in der Schwärmerei verflossener Liebschaften mich verlieren. Daher glaube ich, dass sich Liebe nur in der Kunst konservieren lässt: Auf der Bühne, in Filmen und Büchern zum Beispiel: Angelique, Doktor Schiwago, Vom Winde verweht, Jenseits von Afrika, Romeo und Julia sind zeitlose Beispiele.
Bei mir kommt hinzu: Wie bei der Liebe, so ergeht es mir mit Büchern. Sie werden mir fremder, je länger es her ist, dass ich sie gelesen habe. Ein paar sind zu guten Freunden geworden, zu verlässlichen Partnern, aber Liebe? Selbst die ergreifendsten Liebesgeschichten verblassen in der zeitlichen Entfernung.
Daher habe ich drei Romane gewählt, in denen einerseits das Thema Liebe eine Rolle spielt und die mir andererseits noch gegenwärtig genug sind, dass ich sie mir zu eigen machen kann:

http://dandelionliteratur.wordpress.com/2014/09/11/die-liebsten-liebesgeschichten-folge-3-uwe-voehl/

Magnetisches Lesezeichen, 2er-Set

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„Warum muss ein Lesezeichen magnetisch sein?“, wurde ich zu Recht gefragt. Nun: Zunächst benutzt man es als Lesezeichen, während man natürlich möglichst in meinem Krimi „Dinner mit Mord“ schmökert. Danach erfüllt es an der Magnetwand oder am Kühlschrank noch lange seinen dekorativen Zweck 😉
Auf Wunsch auch signiert, 2er-Set = 2,- Euro (Unkostenbeitrag)

Bestellungen an uwevoehl@aol.com