The Travelling Witch

… gesichtet an den Externsteinen im Januar 2019!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

… gerade noch im Flug erwischt im Februar in der profanierten Dominkanerkirche in … Münster vor dem Foucaultschen Pendel von Gerhard Richter.

 

 

 

 

 

 

 

Happy Easter! The Travelling Witch under the Crystal Rainbow.

Autoren kredenzen Weihnachtsgeschichten …

… so die Headline auf der Kulturseite der heutigen Lippischen Landeszeitung. Eine schöne Sache. Auch ich wurde dazu befragt. Hier mein ungekürzter Beitrag mit dem einen oder anderen Tipp zu Weihnachten:

Ich bin ein absoluter Weihnachtsfan. Würde ich einen Weihnachtskrimi über den Grinch schreiben, wäre der schon auf der ersten Seite mausetot.  Meine Generation ist noch aufgewachsen mit spannungsfördernden Sendungen wie „Wir warten aufs Christkind“ und den Advents-Vierteilern. „Tom Sawyers und Huckleberry Finns Abenteuer“ oder „Der Seewolf“ hatten zwar nicht wirklich etwas mit Weihnachten zu tun, aber das Drumherum wurde schon mal zelebriert: Die ganze Familie saß davor und fieberte mit, und in den Nachbarhäusern flackerten ebenfalls zur selben Zeit die Bildschirme, auf denen das Gleiche lief (es gab ja nur zwei, drei Programme).

Zum alljährlichen „Vorglühen“ auf Weihnachten sind daher Filme wie „Drei Männer im Schnee“, „Schöne Bescherung“ mit den Griswolds und natürlich „Ist das Leben nicht schön?“ (unbedingt in Schwarz-Weiß, nicht in dieser nachträglich eingefärbten Kitschversion!) obligatorisch. Oder auch die „Feuerzangenbowle“, die allweihnachtlich gezeigt wird, obwohl sie gar nichts mit Weihnachten zu tun hat.  Macht nichts, denn Weihnachten ist in erster Linie ein Gefühl – und dieses Gefühl vermitteln einige wenige Filme und natürlich auch Bücher bei mir bis heute.

Um ein Zitat abzuwandeln: Wer keinen Weihnachtsfilm guckt und kein Weihnachtsbuch liest, feiert jedes Jahr nur ein Mal Weihnachten. Wer zu vielen Filmen und Büchern greift, hat so oft Weihnachten, wie er verträgt.

Von wegen Gefühl: Mein Lieblingsbuch vor Weihnachten ist Stewart O’Nans „Letzte Nacht“: Zum letzten Mal öffnet Manny, der Leiter einer Fast-Food-Kette, sein Restaurant. Zum letzten Mal kommen die Angestellten zusammen. Doch die letzte Nacht birgt noch einige Überraschungen:  Ein Schneesturm hält Personal und die wenigen Gäste, die es ins „Red Lobster“ geschafft haben, gefangen, und wir, die Leser, sitzen und zittern mit ihnen dort, erfahren von ihren kleinen und großen Sorgen, ihren kleinen und großen Lieben. Alles, was dieses spezielle Weihnachtsgefühl ausmacht, ist in diesem gerade mal 150-Seiten-schmalen Buch vereint: Die traute Familie oder die Gemeinschaft sitzt beieinander,  in Leid wie Freud, und wärmt sich, ob am warmen Ofen oder emotional, schafft dadurch gegenseitige Geborgenheit und macht die Unbilden „dort draußen“ wenigstens eine kurze Zeitlang vergessen.

Nicht umsonst brennen an Weihnachten allüberall Lichterwerk und Kerzen: Ist es doch draußen zu dieser Jahreszeit am dunkelsten. Insofern hat Weihnachten auch immer etwas von der „Letzten Nacht“. Die Ahnung, es könnte immer das letzte Mal sein, dass wir so beieinander sitzen.

Daher passen Sie auf sich auf, wenn Sie den Heimweg antreten – man weiß nie, was in der rauen Wirklichkeit auf einen lauert …

Jubiläum! DAS HAUS ZAMIS 50: Lieb Schwesterlein, magst böse sein …

Ich muss gestehen, es ist ein stolzes Gefühl, den fünfzigsten DAS-HAUS-ZAMIS-Band in Händen zu halten. Immerhin liegen die Ursprünge der Serie schon 40 Jahre zurück. Nun ist Band 50 erschienen, ein Roman, den der großartige Michael Marcus Thurner gemeinsam mit mir verfasst hat, rundherum mit vielen Extras: Fotos. Zeichnungen, Glückwünsche von allen Autoren, Zeichnern und Kai Meyer, ein Vorwort des Verlegers Dennis Erhardt und zum allerersten Mal ein Abdruck des allerersten Exposès von Ernst Vlcek.

Hier ist mein Grußwort:

A star was born
Coco Zamis begleitet mein Schriftstellerleben nun schon eine ganze Weile. Um es mit einem abgewandelten Loriot-Zitat auszudrücken: „Ein Leben ohne Coco ist möglich, aber sinnlos.“
Und dennoch macht den Reiz von DAS HAUS ZAMIS aus, dass Coco nicht immer im Mittelpunkt steht. Sie möge mir deshalb verzeihen, dass sie in diesem Jubiläumsband ihrer Schwester Juna den Platz im Scheinwerferlicht überlassen muss. Der rote Jubiläumsteppich ist natürlich dennoch ganz allein für Coco ausgerollt, und das Blitzlichtgewitter gilt nur ihr …

Konzertbericht: The House of Usher

„Through The Gates Of Oblivian“-Tour
Freitag, 23.10.2015
Forum Bielefeld

Nach Sweet Ermengarde, die sehr melodiösen Rock zelebrierten, und Reptyle, die einen eher brachialen Sound bevorzugen, betraten The House of Usher als letzte Band die Bühne des Forum in Bielefeld und vereinten die positiven Aspekte des bisher Gehörten mit ihren ganz eigenen Interpretationen heutigen Gothic Rocks. Das Forum ist dabei wie geschaffen für die Bands. Gegenüber, durch eine mehrspurige Schnellstraße getrennt, befinden sich ein riesiger Multiplexkinopalast, diverse Systemgastronomien und die ganze Glitzerwelt großstädtischer Vergnügungsindustrie. Zum Forum gelangt man von dort aus über eine Fußgängerbrücke, einen schmalen Schlammpfad vorbei an graffitibesprühten Baracken und Mauern. Hier dringt Licht nur wenig hin, andere Leute würden es als Angstraum bezeichnen. Dann ein langer, hoher Gitterzaun, und man sieht dahinter schon das Forum, das angesichts der Scheinwelt auf der anderen Seite wie eine vertraute Hallig Heimat wirkt.
Vorab: Rock ohne Schlagzeuger, geht das gut? Ja, es funktionierte, dank eingespielter und sehr authentisch wirkender Vorabprogrammierung, wobei der musikalische Fokus eh auf dem beidseitigen filigranen Artilleriefeuer der beiden Gitarristen liegt. Beide, jeder für sich, Urgesteine der Band. Georg Berger ist seit immerhin zehn Jahren dabei und Markus Pick, Bandgründer und mehrmaliger Wiedereinsteiger, prägten den treibenden Sound und stellten erfrischend authentisch unter Beweis, dass es nicht auf einen bestimmten Look ankommt, sondern auf das dunkle Herz, das umso heftiger schlägt. Jörg Kleudgen würde es als Spirit bezeichnen.
Jörg Kleudgen, gewandet im figurnahen Mumienoutfit, verweigert sich seit jeher jeglicher genreüblicher Posen. Auf der Bühne erinnert er mal an Cesare, den Somnambulen aus Dr. Caligari, mal verwandelt er die winzige Bühne zur imaginären Studierstube, wenn er wie Dr. Faustus statt mit seinem Famulus Wagner mit dem Mikrofonständer um Wahrheit ringt.
Letztlich um Wahrheit, bzw. das Ringen um die Fragen und Antworten darum, geht es auch in den Songs, die allesamt nicht aus der aktuellen CD stammen. Technische und personelle Gründe sind dafür sicherlich ein Grund. Letztlich zeigt es aber auch die Konsequenz, mit der The House of Usher den gegenwärtigen Übergangsstatus in der Bandgeschichte nach dem schmerzlichen Ringen dokumentieren. Intern geht der Blick eh wieder nach vorne: mit neuen alten Mitgliedern und dem nächsten ins Auge gefassten Albumprojekt.
Den Auftritt beendeten The House of Usher mit dem umjubelten Cover Transmission von Joy Divsion und unterstrichen damit, woher die Wurzeln jenes Spirits stammen und damit auch das Fundament der Band.
Letztlich lernte auch ich an diesem Abend zwei Dinge.
Erstens: Dass Backstage und auf der Bühne nach wie vor geraucht werden darf, und keine Frage, niemand zelebriert die „Rockender-Gitarrist-auf-der-Bühne-mit-Zigarette-im Mundwinkel“-Pose so lässig und beiläufig wie Georg Berger.
Zweitens: Bleibt die Frage, was, wenn schon nicht die Welt, so doch The House of Usher im Innersten zusammenhält. Es ist das Ringen um Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit, das letztlich immer auch schmerzhafte Entscheidungen bedingt, aber unbedingt nötig ist, um Stillstand oder gar Einsturz des Bandgebäudes zu vermeiden. Insofern ist mir nicht bange, dass auch in den nächsten Jahrzehnten am Hause Usher gebaut werden wird. Denn letztlich lautet die Antwort auf die ewig faustische Frage: Es ist die Veränderung, die zählt Jetzt. In jeder Sekunde. In Ewigkeit.
2015-10-23 22.49.38

Meine liebsten Liebesromane

Frank Duwald und mich verbindet eine jahrzehntelange literarische Partnerschaft. Für sein Online-Magazin „Dandelion“ bat mich Frank, meine Lieblingsbücher zum Thema Liebe zu beschreiben.

Liebe ist für mich etwas Vergängliches. Das Haltbarkeitsdatum ist schnell überschritten. Schneller, als es so manches Liebespaar in der Realität wahrhaben will.
Lieben kann ich nur im Hier und Jetzt. Nicht in der Schwärmerei verflossener Liebschaften mich verlieren. Daher glaube ich, dass sich Liebe nur in der Kunst konservieren lässt: Auf der Bühne, in Filmen und Büchern zum Beispiel: Angelique, Doktor Schiwago, Vom Winde verweht, Jenseits von Afrika, Romeo und Julia sind zeitlose Beispiele.
Bei mir kommt hinzu: Wie bei der Liebe, so ergeht es mir mit Büchern. Sie werden mir fremder, je länger es her ist, dass ich sie gelesen habe. Ein paar sind zu guten Freunden geworden, zu verlässlichen Partnern, aber Liebe? Selbst die ergreifendsten Liebesgeschichten verblassen in der zeitlichen Entfernung.
Daher habe ich drei Romane gewählt, in denen einerseits das Thema Liebe eine Rolle spielt und die mir andererseits noch gegenwärtig genug sind, dass ich sie mir zu eigen machen kann:

http://dandelionliteratur.wordpress.com/2014/09/11/die-liebsten-liebesgeschichten-folge-3-uwe-voehl/

Die Kälte des Monieur Hire

417GdDz4IEL__SL500_Nach der verlegerischen Tat, sämtliche fünfundsiebzig Maigret-Romane und die gesammelten Maigret-Geschichten George Simenons neu herauszugeben, legt Diogenes nach: Es folgen die Non-Maigrets, die „romans durs“, allerdings nur in ausgewählter Form. Insgesamt schrieb Simenon über hundert Nicht-Maigrets unter seinem Namen. Die Diogenes-Reihe ist auf fünfzig Bände angelegt.

„Die Verlobung des Monsieur Hire“ erschien 1933, also einem Jahr, in dem bereits der Tonfilm mit Filmen wie „King Kong und die weiße Frau“ Erfolge feierte. Und doch habe ich beim Lesen die groteske Schatten-Ästhetik expressionistischer Stummfilme vor Augen. Monsier Hire könnte ich mir auch als traurigen Charly Chaplin vorstellen.

Erster Satz: „Die Concierge hüstelte, bevor sie klopfte und mit einem Blick auf den Gartenkatalog, den sie in Händen hielt, ausrief: ‚Ein Brief für Sie, Monsieur Hire!‘

Obwohl Monsieur Hire die Tür nur einen Spalt breit öffnet, erblickt die Concierge voller Entsetzen ein blutiges Handtuch. Hat sich Monsieur Hire nur geschnitten oder ist er der Täter, der für den Tod einer erst kürzlich in der Nachbarschaft ermordeten Frau verantwortlich ist?

Es ist bemerkenswert, wie Simenon diesen Monsieur Hire in der ersten Hälfte des Romans zeichnet: Als blassen Sonderling ohne Ecken und Kanten, auch physisch: Man kann an ihm „weder Muskeln noch Knochen erkennen, alles an ihm war so weich und glatt, dass auch seine Bewegungen etwas Unentschlossenes bekamen. An seinem runden Gesicht fielen einem zuerst die kräftigen roten Lippen auf, dann der gekräuselte, wie mit Tusche gezeichnete Schnurrbart und die rosigen Puppenwangen“.

Monsieur Hire erscheint dem Leser als eine Art Autist, der seine Umwelt allenfalls als „Gewühl“ wahrnimmt, unfähig, sich zu artikulieren.

Die Kälte seines inneren Empfindens begleitet den Leser das ganze Buch über auch in den äußeren Umständen: Monsieur Hire flüchtet ins „kalte Dunkel des Korridors“, nachdem die Concierge und ein Inspektor ihm aufgelauert haben. Minutiös beschreibt Simenon, wie im stets kalten Ofen in Monsieur Hires Wohnung mühsam das Feuer entfacht wird. Dabei umgeben ihn „Stille und Kälte“. Und dennoch bleibt es in seinem Zimmer „kälter als draußen“. In seinem Zimmer scheint Monsieur Hire gefangen wie im Netz einer Stimme, starr wie eine Puppe sitzt er stundenlang lauschend auf die Geräusche in den Nachbarwohnungen „als wäre er in Zeit und Raum festgewachsen“. Und je später der Abend fortschreitet, desto regungsloser verharrt Monsieur Hire, während sich „seine Zehen in den Pantoffeln vor Kälte krümmten“.

Lieblingssatz: „Er saß da wie in einem Zug, der nach nirgendwohin fährt.“

Zunächst leiden wir mit. Wir leiden mit, wenn diese bemitleidenswerte Figur regungslos in ihrem Zimmer sitzt und friert und wartet. Wir leiden mit, indem wir gewahr werden, dass sich die Gerüchteschlinge immer enger um seinen Hals zieht.

Wieso quält sich dieser Mensch? Was treibt ihn? Nun, die Geschichte des Monsieur Hire ist auch die Geschichte einer Obsession. Abend für Abend beobachtet er im erleuchteten Fenster gegenüber das Dienstmädchen Alice. Sie symbolisiert das Gegenteil seiner Kälte. „Rosige Backen“, Wärme, Hitze … gar erwiderte Liebe?

Etwa gegen Mitte des Romans, schlägt Simenon das Ruder herum. Die bislang roboterhafte Gestalt des Monsieur Hire wird mit Persönlichkeit gefüllt. In dem Moment, in dem er zu sprechen beginnt, erhält er eine Vergangenheit. Doch schon zuvor enthüllt Simenon einige Facetten des Monsieur Hire, die wir nicht vermutet hätten. Zumeist sind diese – wie seine voyeurhafte Angewohnheit, in das Zimmer des Dienstmädchens zu blicken – erotischer Natur. Nach unserem heutigen Moralempfinden erscheinen gerade diese äußerst altbacken – zumindest die moralische Entrüstung darüber.

Was bleibt, ist die bemerkenswerte Studie über einen Sonderling, der als Außenseiter gebrandmarkt wird. Und das wiederum ist ein nach wie vor hochaktuelles Thema, finde ich.

Letzter Satz: „Und in Villejuif begann man sich zu sputen, weil eine ganze kleine Welt ihre zweistündige Verspätung aufholen musste.“

Geroge Simenon: Die Verlobung des Monsieur Hire (Ausgewählte Romane Band 1)Diogenes (Zürich 2010), Pappband, 172 Seiten

Fazit: Ein äußerst beklemmender, nichtsdestotrotz beeindruckender Auftakt der Reihe. Die innere wie äußere Kälte, die einem bei der Lektüre frösteln lässt, ist allgegenwärtig.

 

Happy Halloween! Bart Simpsons Horror Show #16

Alle Jahre wieder … möchte man sagen. Bereits zum sechzehnten Mal bescheren uns die Simpsons Gruseliges zu Halloween. Es ist heimelig in Deutschland. Die Blätter fallen gerade rechtzeitig, ein launiger Indian Summer versetzt selbst den gruftigsten Misanthrop in heitere Stimmung. Die richtige Zeit also, um mal wieder Gruselcomics zu lesen. Also machen wir es uns gemütlich! Am besten mit der Lieblingsschmusedecke und einer 800 Gramm-Dose „Hariween“-Fruchtgummi.

Es beginnt sehr klassisch mit „Nosferatu – Eine Simpsonie des Grauens“. Wie immer für die Halloweenausgabe, geben sich auch diesmal bekannte Zeichner und Texter die Klinke in die Hand. In diesem Fall heißen die Kreativen Zander Cannon und Gene Ha (beide bekannt geworden mit „Top 10“). In grün-braunen Bildern, die an alte Stummfilme erinnern, wird der olle NOSFERATU-Klassiker so richtig zerfleddert. Übrigens ganz ohne Sprechblasen, aber ganz standesgemäß mit Zwischentitel. Die Story, in der sich Batholomäus zum Anwesen des Grafen Burlock aufmacht, ist bis auf die Pointe zwar nur wenig witzig, dafür aber umso atmosphärischer.
„Marsh of the Dead“ kommt dagegen in gewohnt knalligen Farben daher. Die Story ist konfus: Marge verletzt sich bei einem Lichtschwerterkamp und mutiert zum Zombie. Der beste Gag sind zwei Grabsteine auf dem Friedhof: Auf dem einen steht „VHS – Betamax‘ langsamer Bruder“, unter dem anderen liegt „MySpace – wir haben dich kaum gekannt“ begraben. Viele weitere Zitate und Bezüge sind in der Story versteckt. In Szene gesetzt haben sie Jane Wiedlin und  Bill Morrison.
Die beste Story kommt zuletzt: „Ernte des Grauens“ ist richtig schön trashig! Bart kauft auf dem Flohmarkt ein altes Horrorheft aus den fünfziger Jahren. Damals machten EC-Comics den Horror richtig populär. Logo, dass es daher viele Nachahmer gab. Da die richtig guten Zeichner und Texter aber alle schon bei EC angeheuert hatten, blieben für die anderen Verlage nur die zweit- und drittklassigen über. Für die „Ernte des Grauens“ zeichneten die Allerschlechtesten verantwortlich, und der Reiz dieser Story liegt darin, dass seitenweise aus dem Heft zitiert wird – gar nicht mal so übel! Der Clou des Ganzen: In Barts Comic fehlt die allerletzte Seite, und so macht er sich auf die Suche danach! Super in Szene gesetzt von Milton Gruntle, Slim Davenport und Jeremy Dosh!
Fazit: Einmal „Geht so“, ein kleiner Durchhänger und eine absolute Hammergeschichte – das verpflichtet letztlich zum Kauf! Und wem die 3 Euro 20 zu teuer sind, der kann wenigstens die beiliegende Stickertüte ja demnächst vor irgendeinem Schulhof weiterverscherbeln.

PHANTAST: Sonderausgabe Frankfurter Buchmesse 2012

Vordergründig ist der PHANTAST nur ein Online-Magazin rund um das phantastische Genre. In Wahrheit ist es eindeutig das schönste! Jede der bisherigen Ausgaben bestach bisher durch exzellentes Artwort. Aber auch der Inhalt versteckt sich nicht hinter schönen Bildern oder Worthülsen, sondern ist sehr fundiert und vor allem mit Herzblut geschrieben. Dahinter stecken hauptsächlich Judith Gor und Jürgen Eglseer, die das Ganze koordinieren und mit ihren eigenen Beiträgen ein hohes Niveau vorgeben, was sowohl den Informationsgehalt wie den Unterhaltungswert betrifft.
Erstmals liegt nun eine Ausgabe des PHANTASTEN in gedruckter Form vor: Die Sonderausgabe zur Frankfurter Buchmesse wurde dort kostenlos verteilt. Zunächst einmal begeistert mich, dass sich der Qualitätsgedanke auch im Druck widerspiegelt. Die achtundvierzig Seiten sind durchweg vierfarbig gestaltet, und bereits das von Michael Marrak gestaltete Titelbild ist eine Augenweide. Science Fiction ist für mich immer etwas Düsteres, dieses Cover stellt mein Weltbild auf den Kopf: Es ist leicht und licht und von einer bizarren Ästhetik, wie sie nur Michael Marrak beherrscht.
Der Inhalt dreht sich – wie es das Thema vorgibt – hauptsächlich um die Messe, wobei auch die vergangene Büchermesse in Leipzig kurz gestreift wird. Für alle, die dieses Wochenende nicht in Frankfurt sind, ist der PHANTAST ein toller Ersatz: Die vielen zitierten Stimmen und Stimmungen ergeben zusammen mit den vorgestellten Büchern und Bildern ein rundum informatives Bild über die diesjährige Buchmesse und Buchmessen im Allgemeinen. Nicht aus der Sicht derjenigen, die dort ihre Lizenzgeschäfte machen, sondern aus der Sicht der Autoren, der Bücher- und Magazinmacher und Fans. Wobei ich vor allem Christoph Hardebusch zustimme: ein Tag in diesem Getümmel ist vollkommen ausreichend. Ich bin eh ein Fan der Leipziger Messe – aber ich mache ja auch keine Geschäfte 😉
Meine Highlights im Magazin sind … ach, eigentlich alle Beiträge! Na gut: die Neuedition der James Bond-Bücher hat mich besonders interessiert.
Wer kein Heft ergattert hat, kann es hier online lesen:
http://fictionfantasy.de/phantast

… und scheißen auf die Volksarmee

… heißt ein kleines, empfehlenswertes Büchlein von Ralf Alex Fichtner. Der Autor, bekannter Zeichner und Künstler, Jahrgang 1952, Ossi, wurde 1970 zur Volksarmee eingezogen. Es überrascht zunächst die Detailtreue, mit der sich der Autor erinnert – und dass, obwohl er sich, rechnet man die erzählten Episoden hoch, eigentlich im Dauersuff befunden haben musste. Und davon handelt eigentlich das gesamte Buch: Den Frust der täglichen Langeweile ertränken die Eingezogenen mit Alkohol – und daraus entstehen dann die absurdesten Situationen, die dann auch mal mit Arrest enden. Es wird nicht nur geschissen, es wird gepisst, gekotzt und rumgerüpelt, manchmal bis zur Grenze des Zumutbaren. Aber was heißt angesichts der Wirklichkeit schon zumutbar?
Das Erstaunliche an dem Buch ist, dass es mich, Jahrgang 1959, Wessi, eingezogen zur Bundeswehr 1980, direkt in meine eigene Wehrdienstzeit zurückkatapultiert. Erstaunt raubt man sich als Leser immer wieder die Augen: In Ost wie West, 1970 wie 1980 passierte die gleiche von Staatswegen gedeckte Schikane und Ausbeutung ganzer Jahrgänge junger Menschen. In Ost wie West die gleiche Öde, die gleiche Langeweile, der gleiche Frust, die gleichen Schikanen, die gleichen Ersäufnisse in Alkohol … Nur in einem unterscheiden sich Ralf Alex Fichtner und ich: Ich habe diese Alkoholexezesse meistens nicht mitgemacht. Dafür gab’s dann die passenden Bestrafungen. Zum Beispiel auf diese Art: „In meiner Stube zeigte ein Soldat , im zivilen Leben übrigens ein Russischlehrer, keinerlei Interesse an dieser wahrlich tollen Fête. Ein Chaot warf eine übriggebliebene Schüssel Kartoffelsalat über seinen Kopf an die Wand. Eigentlich hatte er aufs Gesicht gezielt. Trotzdem war der Russischlehrer samt Buch bekleckert …“

Insofern bleibt Ralf Alex Fichtners Text auf seine Art harmlos, kratzt eher an der Oberfläche als wirklich politisch zu werden. Dass der Autor, wie er selbst erkennt, eher Glück gehabt hat, von wirklich drastischen Strafen verschont geblieben worden zu sein., liegt denn auch in erster Linie daran, dass seine Aktionen fast ausschließlich im Suff erfolgten. Eine drakonische Strafe war zum Beispiel „ein halbes Jahr Schwedt“, das damalige für seine Härte berüchtigte Militärgefängnis der DDR. Aber, so Fichtner: „Besaufen konnte sich jeder bis zur Bewusstlosigkeit, nur durfte niemand den Arbeiter- und Bauernstaat und seine Repräsentanten  und Lakaien antasten.“ Auch diese Aussage kann ich, was die Verhältnisse in der Bundeswehr 1980 betrafen, nur unterstreichen. Zumindest „links“ durfte man nicht sein, über den Hitlergruß dagegen, zumal im volltrunkenen Zustand, wurde da schon eher mit mildem Lächeln hinweggesehen.

Hm, zum Ende des Buches wird es dann ein wenig langweiliger: Die immer gleichen Alkoholexzesse, die unweigerlich in irgendeine Katastrophe, Beinahe-Katastrophe oder in der Arrestzelle enden, sind irgendwann nicht mehr auseinanderzuhalten. Das ändert aber letztlich nichts am Lesevergnügen insgesamt.

Übrigens hat Ralf Alex Fichtner es mit 23 ganzseitigen Illustrationen „geschmückt“, und auch auf denen wird hauptsächlich gekotzt und getrunken.

Ach ja: Und noch eines klammert der Autor aus. Sex, Mädchen, Frauen und was es sonst noch so in dieser Richtung gab. Ich meine, wir schreiben immerhin das Jahr 1970! Das war bei uns, 1980, neben dem Alkohol eigentlich DAS Thema.

Also, Ralf, was war damit? Ich wette, da kommt noch was!

Meine Jahre mit Coco Zamis (1)

Eine der besten Horrorserien, die ich kenne, heißt COCO ZAMIS. Das sage ich, obwohl ich selbst daran mitschreibe. Kennen gelernt habe ich Coco mit vierzehn oder fünfzehn – damals war sie ein paar Jährchen älter als ich, heute ist sie mindestens zweieinhalb Jahrzehnte jünger. Ein Paradoxon, wie es wohl nur lang laufende Serien erzeugen können. Im Gegensatz zu Fernsehserien wie DERRICK, bei denen das Gesicht des Hauptdarstellers mit der Zeit ebenso viele Furchen wie Folgen aufzeigt, spielen literarische Serien in ihrem eigenen Zeituniversum.
Aber zurück zu der Phase, in der wir uns das erste Mal begegneten. Unser erstes Rendezvous fand eher zufällig statt. Eigentlich hatte ich mich mit einem zwielichtigen Kerl namens Dorian am Rundständer der Bahnhofsbuchhandlung verabredet. Damals – in den frühen Siebziger Jahren – gab es am Kiosk eine Heftromanserie mit Namen DÄMONENKILLER. Der Held, Dorian Hunter, war völlig anders als alle anderen Geisterjäger vor und nach ihm. Er trank schon zum Frühstück Bourbon, rauchte Kette und sah aus wie ein typischer Pornodarsteller der Siebziger, mit langen Haaren und einem Schnäuzer, dessen Enden gewöhnlich traurig nach unten hingen. Ein Kerl zum Abgewöhnen, aber einer, den die Leser liebten. Und mit ihm die Frauen. Zum Beispiel Coco Zamis. Die beiden wurden bereits im zweiten Heft ein Paar und durchlebten seitdem alle Höhen und Tiefen, die eine derartige Zweierbeziehung im Allgemeinen beinhaltet.
Doch bleiben wir bei Coco Zamis. Innerhalb der DÄMONENKILLER-Reihe wurden in zwei Heftromanen Cocos Jugendjahre geschildert. Man muss wissen: In der Schwarzen Familie herrschen derart strenge Sitten wie sie uns ansonsten nur von extremsten Religionsgemeinschaften bekannt sind: Coco muss den Mann nehmen, den ihre Familie für sie ausgesucht hat. Basta! In diesem Fall ist es eine besondere Ehre, dass es sich zudem um Asmodi, den Fürsten der Finsternis, handelt. Es kommt, wie es kommen muss: Coco verliebt sich in einen anderen, erweist sich auch sonst eher als das weiße Schaf innerhalb der Schwarzen Familie  und unternimmt alles, um die Vermählung zu verhindern. Da kommt es gut, dass sie einige Jahre Ausbildung bei einer Hexe hinter sich hat und mittlerweile selbst ganz gut mit magischen Kräften gesegnet ist. Geschildert werden diese Ereignisse in den DÄMONENKILLER-Heften 31 und 32: HEXENSABBAT und DIE STUNDE DER AMEISEN – beide Romane in unnachahmlicher Manier verfasst von Neal Davenport. Diese Romane waren so voller origineller und bizarrer Einfälle, dass innerhalb der Leserschaft schnell der Ruf nach mehr aufkam. Vor allen Dingen die weit verzweigte Familie, der Coco entstammt, bot eine Vielzahl skurriler Charaktere und Möglichkeiten, das Coco Zamis-Universum weiter zu entwickeln, dass es einfach zu schade gewesen wäre, diese  der Vergessenheit anheim fallen zu lassen. Zudem in der Hauptserie – DÄMONENKILLER – diese Familie kaum eine Rolle spielte. In Heft 12 (DAS MÄDCHEN IN DER PESTGRUBE) wurden  sie allesamt von der magischen Pest dahingerafft – in einer Art Handstreich, den allerdings kaum ein Leser Neal Davenport bis heute verziehen hat. So boten denn die Coco Zamis-Romane die einzige Möglichkeit, die Familie zumindest in den Vergangenheitshandlungen wiederaufleben zu lassen.
Insbesondere nach dem durch mehrere Indizierungen beschleunigtem Ende der DÄMONENKILLER-Heftserie wurden die Jugendabenteuer Cocos innerhalb der DÄMONENKILLER-Taschenbuchreihe sporadisch fortgeführt. Der letzte Band dieser Reihe im Jahre 1979 trug den seltsamen Titel COCO UND DER GUMMITOD – danach wurde auch diese Taschenbuchreihe vom Markt genommen. Es sollte – nur unterbrochen von einer nicht weiter erwähnenswerten Zweitauflage im Jahre 1983 zwanzig Jahre dauern, bis sich wieder ein Verlag fand, der die DÄMONENKILLER-Romane und glücklicherweise ab 1999 auch die COCO ZAMIS-Romane von damals nachdruckte. Zur Freude der damaligen Leser gar in Buchform: 1999 erschien mit HEXENSABBAT der erste ´Band der neuen COCO ZAMIS-Reihe. Zum ersten Mal trug eine Serie auch den Namen der Heldin. Neu war der Untertitel: Abenteuer einer jungen Hexe. Neu waren auch die Titelbilder, die eigentlich viel schöner sind als die alten, an die ich mich aber immer noch nicht so recht gewöhnt habe. Irgendwie sieht COCO ZAMIS darauf anders aus, als ich sie mir im Geiste zurechtgeformt habe. Neu war auch, dass in jedem Buch 3 Hefte zusamengefasst wurden. Mit Band 5 war dann auch schon Schluss mit den alten Abenteuern – und damit begannen meine Coco Zamis-Jahre erst so richtig. Dennoch, es war ein weiter Weg von meinem ersten Date mit Coco, das ich als Leser begann und das bis heute mit mir als Exposé-Autor im aktuellen Buch 31, das mittlerweile unter der der neuen Flagge „DAS HAUS ZAMIS“ segelt, noch lange nicht beendet ist …