Ich zähle täglich meine Leichen! (1)

Da kaufe ich heute die BILD, und nix ist da mehr mit Blut und Tod und Mord und Totschlag! Bis einschließlich Seite 5 zähle ich mal gerade eine einzige Leiche – und die findet sich in der TV-Krimi-Vorschau „Tote lügen besser“. Stattdessen ein bisschen Empörung über Paparazzi-Fotos von Kate, darüber, dass Bohlen Gottschalk den Vogel zeigt, Sex-Tipps von Doktor Hirschhausen und weiteres Gedöns. Erst auf Seite 6 zähle ich weitere Tote: In Zusammenhang mit den „Killer-Nazis“ werden einmal mehr ein erschossener Betreiber eines Internet-Cafés erwähnt und die neun Migranten- und der eine Polizistenmord, den das Trio zu verantworten haben soll (man muss sich ja immer vorsichtig ausdrücken). Dazu auf derselben Seite BILD-Berichte über die „Folter-Hexe“ Maria K., die zwei Frauen zu Tode quälte, sowie den „Macheten-Mörder“, der in Guatemala zwei Kinder tötete, bevor er vom Mob bei lebendigem Leib verbrannt wurde. Das war’s dann aber auch schon!! In der ganzen zweiten Hälfte nicht ein einziger Toter, so dass ich gerade mal auf magere siebzehn Tote komme!, davon, wie gesagt, eine TV-Toter und die Opfer der Nazibande, die schon oftmals erwähnt wurden. HALT: Übersehen habe ich auf Seite 3 einen Bericht über den „Todes-Raser“, der zwei Mädchen auf dem Gewissen hat. Also insgesamt neunzehn Tote. Immerhin …

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Der Mörder in der Tiefkühltruhe

Der Mörder in der Tiefkühltruhe

DER MÖRDER IN DER TIEFKÜHLTRUHE heißt ein Buch in der von Jörg Kleudgen und mir verlegten MURDER PRESS. Gestern, beim Tanken, stutzte ich nicht nur angesichts des phänomenal gestiegenen Dieselpreises (1 Euro 54,9), sondern auch wegen eines BILD-Displays mit der wahnsinnig gut gemachten Schlagzeile BIELEFELD: DIE TOTE AUS DER TIEFKÜHLTRUHE. Da konnte ich einfach nicht widerstehen, und zum Dieselpreis kamen noch die 70 Cent für die BILD dazu. Als ich das Foto der Toten sah, fiel mir dann auch gleich der Fall ein, der im Februar die Schlagzeilen dominierte. Nun steht der mutmaßliche Mörder vor Gericht, viel Neues gibt es jedoch nicht zu schreiben. Bemerkenswert jedoch einmal mehr, wie BILD textet: Allein die Alliteration der Headline, dazu das (junge) Alter der Frau, was wiederum weitere Assoziationen bei sabbernden BILD-Greisen wecken dürfte. Vollsten Respekt als Texter jedoch zolle ich der eigentlichen Headline darunter: DAS EISIGE SCHWEIGEN DES ANGEKLAGTEN. Das hat schon irgendwo was Reißerisches und erinnert mich an meine eigenen texterischen Tiefpunkte: Heiße Mode – coole Preise. Oder so ähnlich.

PS: Nur anhand der blauen Mappe, die sich der Angeklagte obligatorisch vors Gesicht hält, fiel mir ein, dass ich ein ähnliches Foto schon morgens in der LZ gesehen hatte. Ich gebe zu, dass mich die Headline PROZESS UM MYSTERIÖSEN MORD eher zum Weiterblättern animiert hatte. Ich bleibe am Ball – äh – weiter auf dem Eis …