PHANTAST: Sonderausgabe Frankfurter Buchmesse 2012

Vordergründig ist der PHANTAST nur ein Online-Magazin rund um das phantastische Genre. In Wahrheit ist es eindeutig das schönste! Jede der bisherigen Ausgaben bestach bisher durch exzellentes Artwort. Aber auch der Inhalt versteckt sich nicht hinter schönen Bildern oder Worthülsen, sondern ist sehr fundiert und vor allem mit Herzblut geschrieben. Dahinter stecken hauptsächlich Judith Gor und Jürgen Eglseer, die das Ganze koordinieren und mit ihren eigenen Beiträgen ein hohes Niveau vorgeben, was sowohl den Informationsgehalt wie den Unterhaltungswert betrifft.
Erstmals liegt nun eine Ausgabe des PHANTASTEN in gedruckter Form vor: Die Sonderausgabe zur Frankfurter Buchmesse wurde dort kostenlos verteilt. Zunächst einmal begeistert mich, dass sich der Qualitätsgedanke auch im Druck widerspiegelt. Die achtundvierzig Seiten sind durchweg vierfarbig gestaltet, und bereits das von Michael Marrak gestaltete Titelbild ist eine Augenweide. Science Fiction ist für mich immer etwas Düsteres, dieses Cover stellt mein Weltbild auf den Kopf: Es ist leicht und licht und von einer bizarren Ästhetik, wie sie nur Michael Marrak beherrscht.
Der Inhalt dreht sich – wie es das Thema vorgibt – hauptsächlich um die Messe, wobei auch die vergangene Büchermesse in Leipzig kurz gestreift wird. Für alle, die dieses Wochenende nicht in Frankfurt sind, ist der PHANTAST ein toller Ersatz: Die vielen zitierten Stimmen und Stimmungen ergeben zusammen mit den vorgestellten Büchern und Bildern ein rundum informatives Bild über die diesjährige Buchmesse und Buchmessen im Allgemeinen. Nicht aus der Sicht derjenigen, die dort ihre Lizenzgeschäfte machen, sondern aus der Sicht der Autoren, der Bücher- und Magazinmacher und Fans. Wobei ich vor allem Christoph Hardebusch zustimme: ein Tag in diesem Getümmel ist vollkommen ausreichend. Ich bin eh ein Fan der Leipziger Messe – aber ich mache ja auch keine Geschäfte 😉
Meine Highlights im Magazin sind … ach, eigentlich alle Beiträge! Na gut: die Neuedition der James Bond-Bücher hat mich besonders interessiert.
Wer kein Heft ergattert hat, kann es hier online lesen:
http://fictionfantasy.de/phantast

Werbeanzeigen

… und scheißen auf die Volksarmee

… heißt ein kleines, empfehlenswertes Büchlein von Ralf Alex Fichtner. Der Autor, bekannter Zeichner und Künstler, Jahrgang 1952, Ossi, wurde 1970 zur Volksarmee eingezogen. Es überrascht zunächst die Detailtreue, mit der sich der Autor erinnert – und dass, obwohl er sich, rechnet man die erzählten Episoden hoch, eigentlich im Dauersuff befunden haben musste. Und davon handelt eigentlich das gesamte Buch: Den Frust der täglichen Langeweile ertränken die Eingezogenen mit Alkohol – und daraus entstehen dann die absurdesten Situationen, die dann auch mal mit Arrest enden. Es wird nicht nur geschissen, es wird gepisst, gekotzt und rumgerüpelt, manchmal bis zur Grenze des Zumutbaren. Aber was heißt angesichts der Wirklichkeit schon zumutbar?
Das Erstaunliche an dem Buch ist, dass es mich, Jahrgang 1959, Wessi, eingezogen zur Bundeswehr 1980, direkt in meine eigene Wehrdienstzeit zurückkatapultiert. Erstaunt raubt man sich als Leser immer wieder die Augen: In Ost wie West, 1970 wie 1980 passierte die gleiche von Staatswegen gedeckte Schikane und Ausbeutung ganzer Jahrgänge junger Menschen. In Ost wie West die gleiche Öde, die gleiche Langeweile, der gleiche Frust, die gleichen Schikanen, die gleichen Ersäufnisse in Alkohol … Nur in einem unterscheiden sich Ralf Alex Fichtner und ich: Ich habe diese Alkoholexezesse meistens nicht mitgemacht. Dafür gab’s dann die passenden Bestrafungen. Zum Beispiel auf diese Art: „In meiner Stube zeigte ein Soldat , im zivilen Leben übrigens ein Russischlehrer, keinerlei Interesse an dieser wahrlich tollen Fête. Ein Chaot warf eine übriggebliebene Schüssel Kartoffelsalat über seinen Kopf an die Wand. Eigentlich hatte er aufs Gesicht gezielt. Trotzdem war der Russischlehrer samt Buch bekleckert …“

Insofern bleibt Ralf Alex Fichtners Text auf seine Art harmlos, kratzt eher an der Oberfläche als wirklich politisch zu werden. Dass der Autor, wie er selbst erkennt, eher Glück gehabt hat, von wirklich drastischen Strafen verschont geblieben worden zu sein., liegt denn auch in erster Linie daran, dass seine Aktionen fast ausschließlich im Suff erfolgten. Eine drakonische Strafe war zum Beispiel „ein halbes Jahr Schwedt“, das damalige für seine Härte berüchtigte Militärgefängnis der DDR. Aber, so Fichtner: „Besaufen konnte sich jeder bis zur Bewusstlosigkeit, nur durfte niemand den Arbeiter- und Bauernstaat und seine Repräsentanten  und Lakaien antasten.“ Auch diese Aussage kann ich, was die Verhältnisse in der Bundeswehr 1980 betrafen, nur unterstreichen. Zumindest „links“ durfte man nicht sein, über den Hitlergruß dagegen, zumal im volltrunkenen Zustand, wurde da schon eher mit mildem Lächeln hinweggesehen.

Hm, zum Ende des Buches wird es dann ein wenig langweiliger: Die immer gleichen Alkoholexzesse, die unweigerlich in irgendeine Katastrophe, Beinahe-Katastrophe oder in der Arrestzelle enden, sind irgendwann nicht mehr auseinanderzuhalten. Das ändert aber letztlich nichts am Lesevergnügen insgesamt.

Übrigens hat Ralf Alex Fichtner es mit 23 ganzseitigen Illustrationen „geschmückt“, und auch auf denen wird hauptsächlich gekotzt und getrunken.

Ach ja: Und noch eines klammert der Autor aus. Sex, Mädchen, Frauen und was es sonst noch so in dieser Richtung gab. Ich meine, wir schreiben immerhin das Jahr 1970! Das war bei uns, 1980, neben dem Alkohol eigentlich DAS Thema.

Also, Ralf, was war damit? Ich wette, da kommt noch was!

Meine Jahre mit Coco Zamis (1)

Eine der besten Horrorserien, die ich kenne, heißt COCO ZAMIS. Das sage ich, obwohl ich selbst daran mitschreibe. Kennen gelernt habe ich Coco mit vierzehn oder fünfzehn – damals war sie ein paar Jährchen älter als ich, heute ist sie mindestens zweieinhalb Jahrzehnte jünger. Ein Paradoxon, wie es wohl nur lang laufende Serien erzeugen können. Im Gegensatz zu Fernsehserien wie DERRICK, bei denen das Gesicht des Hauptdarstellers mit der Zeit ebenso viele Furchen wie Folgen aufzeigt, spielen literarische Serien in ihrem eigenen Zeituniversum.
Aber zurück zu der Phase, in der wir uns das erste Mal begegneten. Unser erstes Rendezvous fand eher zufällig statt. Eigentlich hatte ich mich mit einem zwielichtigen Kerl namens Dorian am Rundständer der Bahnhofsbuchhandlung verabredet. Damals – in den frühen Siebziger Jahren – gab es am Kiosk eine Heftromanserie mit Namen DÄMONENKILLER. Der Held, Dorian Hunter, war völlig anders als alle anderen Geisterjäger vor und nach ihm. Er trank schon zum Frühstück Bourbon, rauchte Kette und sah aus wie ein typischer Pornodarsteller der Siebziger, mit langen Haaren und einem Schnäuzer, dessen Enden gewöhnlich traurig nach unten hingen. Ein Kerl zum Abgewöhnen, aber einer, den die Leser liebten. Und mit ihm die Frauen. Zum Beispiel Coco Zamis. Die beiden wurden bereits im zweiten Heft ein Paar und durchlebten seitdem alle Höhen und Tiefen, die eine derartige Zweierbeziehung im Allgemeinen beinhaltet.
Doch bleiben wir bei Coco Zamis. Innerhalb der DÄMONENKILLER-Reihe wurden in zwei Heftromanen Cocos Jugendjahre geschildert. Man muss wissen: In der Schwarzen Familie herrschen derart strenge Sitten wie sie uns ansonsten nur von extremsten Religionsgemeinschaften bekannt sind: Coco muss den Mann nehmen, den ihre Familie für sie ausgesucht hat. Basta! In diesem Fall ist es eine besondere Ehre, dass es sich zudem um Asmodi, den Fürsten der Finsternis, handelt. Es kommt, wie es kommen muss: Coco verliebt sich in einen anderen, erweist sich auch sonst eher als das weiße Schaf innerhalb der Schwarzen Familie  und unternimmt alles, um die Vermählung zu verhindern. Da kommt es gut, dass sie einige Jahre Ausbildung bei einer Hexe hinter sich hat und mittlerweile selbst ganz gut mit magischen Kräften gesegnet ist. Geschildert werden diese Ereignisse in den DÄMONENKILLER-Heften 31 und 32: HEXENSABBAT und DIE STUNDE DER AMEISEN – beide Romane in unnachahmlicher Manier verfasst von Neal Davenport. Diese Romane waren so voller origineller und bizarrer Einfälle, dass innerhalb der Leserschaft schnell der Ruf nach mehr aufkam. Vor allen Dingen die weit verzweigte Familie, der Coco entstammt, bot eine Vielzahl skurriler Charaktere und Möglichkeiten, das Coco Zamis-Universum weiter zu entwickeln, dass es einfach zu schade gewesen wäre, diese  der Vergessenheit anheim fallen zu lassen. Zudem in der Hauptserie – DÄMONENKILLER – diese Familie kaum eine Rolle spielte. In Heft 12 (DAS MÄDCHEN IN DER PESTGRUBE) wurden  sie allesamt von der magischen Pest dahingerafft – in einer Art Handstreich, den allerdings kaum ein Leser Neal Davenport bis heute verziehen hat. So boten denn die Coco Zamis-Romane die einzige Möglichkeit, die Familie zumindest in den Vergangenheitshandlungen wiederaufleben zu lassen.
Insbesondere nach dem durch mehrere Indizierungen beschleunigtem Ende der DÄMONENKILLER-Heftserie wurden die Jugendabenteuer Cocos innerhalb der DÄMONENKILLER-Taschenbuchreihe sporadisch fortgeführt. Der letzte Band dieser Reihe im Jahre 1979 trug den seltsamen Titel COCO UND DER GUMMITOD – danach wurde auch diese Taschenbuchreihe vom Markt genommen. Es sollte – nur unterbrochen von einer nicht weiter erwähnenswerten Zweitauflage im Jahre 1983 zwanzig Jahre dauern, bis sich wieder ein Verlag fand, der die DÄMONENKILLER-Romane und glücklicherweise ab 1999 auch die COCO ZAMIS-Romane von damals nachdruckte. Zur Freude der damaligen Leser gar in Buchform: 1999 erschien mit HEXENSABBAT der erste ´Band der neuen COCO ZAMIS-Reihe. Zum ersten Mal trug eine Serie auch den Namen der Heldin. Neu war der Untertitel: Abenteuer einer jungen Hexe. Neu waren auch die Titelbilder, die eigentlich viel schöner sind als die alten, an die ich mich aber immer noch nicht so recht gewöhnt habe. Irgendwie sieht COCO ZAMIS darauf anders aus, als ich sie mir im Geiste zurechtgeformt habe. Neu war auch, dass in jedem Buch 3 Hefte zusamengefasst wurden. Mit Band 5 war dann auch schon Schluss mit den alten Abenteuern – und damit begannen meine Coco Zamis-Jahre erst so richtig. Dennoch, es war ein weiter Weg von meinem ersten Date mit Coco, das ich als Leser begann und das bis heute mit mir als Exposé-Autor im aktuellen Buch 31, das mittlerweile unter der der neuen Flagge „DAS HAUS ZAMIS“ segelt, noch lange nicht beendet ist …

Der Schnüffler – Neues aus dem Krimiland Eifel

Titelseite von "Der Schnüffler"

Als Krimiautor in Ostwestfalen-Lippe schaue ich oft neiderfüllt in die Eifel: Die haben nicht nur mit Jacques Berndorf den Eifel-Krimi erfunden und zu Bestsellerehren gebracht, die Eifler haben auch chice Krimihotels, einen Krimi-Verlag, ein Krimihaus, einen Krimi-Wanderweg und, und und … Gute Autoren haben wir in Ostwestfalen-Lippe auch: Mechtild Borrmann zum Beispiel, die dieses Jahr den Deutschen Krimipreis gewonnen hat. Und mit MORDE IM GRÜNEN (am 1.9. zum vierten Mal in der Heerser Mühle in Bad Salzuflen!) immerhin ein Festivalchen. Aber während man in der Eifel mit Hillesheim sogar den selbernannten Titel der Krimihauptstadt für sich beansprucht, rührt sich in Ostwestfalen-Lippe kein Fingerchen. Das Thema Tourismus und Krimi scheint hierzulande eine eher abschreckende Alliance zu sein.

Der neueste Clou aus der Krimihauptstadt nennt sich DER SCHNÜFFLER. Dass dieses Periodikum eigentlich das Sahnehäubchen eines neuen, extra eingerichteten „Krimiland Eifel“-Internetauftritts ist, sei hier ebenfalls erwähnt. Offiziell herausgegeben von der „Urlaubsregion Hillesheim/Vulkaneifel e.V., trägt DER SCHNÜLLER eindeutig die liebevolle Handschrift Ralf Kramps. Das gelungene Layout besorgt einmal mehr Sabine Steffens. Auf immerhin 12 zeitungsgroßen Seiten wird über das Sherlock-Holmes Festival in Hillesheim berichtet, über Susanne Jagusch und ihre kriminellen Strickkunstwerke, die touristischen Krimi-Highlights, das Krimi-FestIval NORDEIFEL-MORDEIFEL und vieles mehr. Es gibt eine Kochsparte („Gift mit Tarnkappe“), einen Kürzestratekrimi und sogar einen lustigen Comic …

Hach ja, sagte ich schon, dass ich die Eifler um ihre Krimiregion beneide?

http://krimiland-eifel.de/index.php?option=com_flippingbook&view=book&id=2&page=1

 

Von Frauen und Insekten

 

Kathleen Weise:

Von Frauen und Insekten e-Medusenblut 1

e-Book

3 Euro 40

Boris Kochs Medusenblut-Edition hat mich seit ihrer ersten Veröffentlichung Ende der neunziger Jahre begleitet. Sie steht für mich sinnbildlich für qualitätsvolle Horrorliteratur, wie sie seit Beginn der Edition Metzengerstein 1996 (Festa Verlag) im Small Press-Bereich gepflegt wurde. Und auch dort nur in diesem Underground möglich scheint, sich zu entwickeln und Blüten zu treiben. Diese Art von Horror, der zumeist ein atmosphärischer, manchmal lovecraftersker, manchmal bizarrer Horror ist, flackerte in all den Jahren zwar immer wieder auch bei den größeren Verlagen auf, doch die eigentliche Heimat und Spielwiese dieses Genres sind die Kleinverlage. Autoren wie Boris Koch (der nicht nur Verleger ist, sondern eben auch hauptsächlich Autor) gelingt in der Regel nur dann der Sprung in die Publikumsverlage, wenn sie in den Fantasy- oder Krimi-Bereich wechseln. Auch Christian von Aster könnte man in diesem Zusammenhang nennen. Ausnahmen sind Publikationen wie GOTHC – Dark Stories und GOTHIC – Darker Stories, die im Zuge der TWILIGHT-Hysterie im Kinder- und Jungendbuch-Verlag Beltz & Gelberg erschienen. Auch hier fungierte Boris Koch als Herausgeber, indem er die Crème de la Crème der deutschen Horror-Autoren zusammenrief. Und diese griffen die Gelegenheit beim Schopf und schrieben tatsächlich einmal keine Fantasy, kein Drachen-  und Zwerge-Garn, keine weichgespülten Vampir-Love-Storys – sondern tatsächlich beinharten Horror. Wahrscheinlich ist es deshalb bei nur zwei Bänden geblieben.

Auch Kathleen Weise war in der ersten GOTHIC-Anthologie mit einer Story vertreten.

Doch zunächst weiter zu MEDUSENBLUT und seiner exemplarischen Historie:

Die ersten Veröffentlichungen waren A5-Hefte, in der Mitte getackert, und obwohl ab der Nummer 4 mit Farbtitelbildern versehen, umwehte sie doch ein Hauch der immer noch existierenden zahlreichen Fanzines. Allerdings waren bereits die ersten Hefte mit hochkarätigen Autoren wie Frank Festa, Malte S. Sembten oder Boris Koch besetzt. MEDUSENBLUT 8 wurde erstmals als zeitgemäßes Taschenbuch veröffentlicht. In rascher Folge erschienen nun weitere Bände von Andreas Gruber, Michael Siefener, Eddie M. Angerhuber und immer mehr auch von Christian von Aster und Boris Koch selbst. Je mehr Boris Koch ins Profi-Lager rüberrutsche, umso seltener wurden nun die MEDUSENBLUT-Neuheiten. Zuletzt erschienen nur noch Publikationen von Autoren des sogenannten Stirnhinterzimmers, eine Art Lesezirkel, zu denen auch Boris Koch gehört. Der Horror geriet damit ein wenig aus der Schusslinie. Eine Ausnahme war die bislang vorletzte MEDUSENBLUT-Ausgabe, die Horrorgeschichten von Michael Tillmann präsentierte.

Umso interessanter ist es nun, dass die Neuerscheinung Von Frauen und Insekten ausschließlich als e-Book angeboten wird. In einer Zeit, in der nicht nur die großen Verlage im Umbruch sind und merken, dass da etwas auf sie zugerollt kommt, was sie möglicherweise unterschätzt haben, sondern gerade die kleinen Verlage, die Selbstverleger und leider auch Möchtegern-Autoren die Chance der kostengünstigen Selbstvermarktung via E-Book erkennen.

Kathleen Weise ist mir bisher in besagter GOTHIC-Anthologie begegnet, und ich weiß, dass sie einige Jungendbücher verfasst und mit Boris Koch gemeinsame Projekte wie den Fantasy-Roman „Der Königsschlüssel“ veröffentlicht hat. Als Horror-Autorin ist sie mir bisher nicht aufgefallen, und auch der Untertitel dieser Sammlung lautet vorsichtigerweise „Phantastische Erzählungen“. Drei davon sind Nachdrucke, die mir jedoch nicht bekannt waren:

„Die Polizistin“ ist eine hundertprozentige düstere Vampir-Story, „Krähenschreie“ eine sehr atmosphärisch-dunkle Urban-Horror-Geschichte, ebenso wie „Die Spinnenfrau“. Spätestens hier fällt auf, dass dem Titel entsprechend ausschließlich Frauen als Protagonisten agieren. Noch dazu von einer Autorin verfasst, entsteht somit eine andere Art von Horror: Er ist feinfühliger, tiefsinniger, subtiler. Selbst wenn grauenvolle Dinge passieren wie die beschriebenen Folterszenen in „Die Polizistin“ geschieht dies nicht aus purem Selbstzweck. Die äußere Tat dient nicht allein der Schilderung, sondern setzt sich in der Gefühlswelt der Ich-Erzählerin fort und bilden gleichsam ein inneres Universum.

„Von Frauen und Insekten“ ist wiederum eine schicke Vampir-Story, diesmal nicht ganz so hart wie  erste, aber sehr gelungen. Die restlichen zwei Geschichten sind ungewöhnlich und keinesfalls dem Horror-Genre zuzuordnen. „Auf dem Land“ ist eine moralisierende Zukunftsparabel, und „Hinter dem Winter“ eine sehr atmosphärische Dark-Fantasy-Story über eine unter die Haut gehende Initiation.

Abgerundet wird das E-Book durch ein leider sehr auf ein bestimmtes Thema fokussiertes Interview (Urban Fantasy) und eine Biografie.

Insgesamt eine sehr gelungene und abwechslungsreiche Storysammlung einer stilistisch äußerst feinfühligen Autorin, von der ich gerne mehr in dieser Richtung lesen würde.

Uwe Voehl