Meine Jahre mit Coco Zamis (1)

Eine der besten Horrorserien, die ich kenne, heißt COCO ZAMIS. Das sage ich, obwohl ich selbst daran mitschreibe. Kennen gelernt habe ich Coco mit vierzehn oder fünfzehn – damals war sie ein paar Jährchen älter als ich, heute ist sie mindestens zweieinhalb Jahrzehnte jünger. Ein Paradoxon, wie es wohl nur lang laufende Serien erzeugen können. Im Gegensatz zu Fernsehserien wie DERRICK, bei denen das Gesicht des Hauptdarstellers mit der Zeit ebenso viele Furchen wie Folgen aufzeigt, spielen literarische Serien in ihrem eigenen Zeituniversum.
Aber zurück zu der Phase, in der wir uns das erste Mal begegneten. Unser erstes Rendezvous fand eher zufällig statt. Eigentlich hatte ich mich mit einem zwielichtigen Kerl namens Dorian am Rundständer der Bahnhofsbuchhandlung verabredet. Damals – in den frühen Siebziger Jahren – gab es am Kiosk eine Heftromanserie mit Namen DÄMONENKILLER. Der Held, Dorian Hunter, war völlig anders als alle anderen Geisterjäger vor und nach ihm. Er trank schon zum Frühstück Bourbon, rauchte Kette und sah aus wie ein typischer Pornodarsteller der Siebziger, mit langen Haaren und einem Schnäuzer, dessen Enden gewöhnlich traurig nach unten hingen. Ein Kerl zum Abgewöhnen, aber einer, den die Leser liebten. Und mit ihm die Frauen. Zum Beispiel Coco Zamis. Die beiden wurden bereits im zweiten Heft ein Paar und durchlebten seitdem alle Höhen und Tiefen, die eine derartige Zweierbeziehung im Allgemeinen beinhaltet.
Doch bleiben wir bei Coco Zamis. Innerhalb der DÄMONENKILLER-Reihe wurden in zwei Heftromanen Cocos Jugendjahre geschildert. Man muss wissen: In der Schwarzen Familie herrschen derart strenge Sitten wie sie uns ansonsten nur von extremsten Religionsgemeinschaften bekannt sind: Coco muss den Mann nehmen, den ihre Familie für sie ausgesucht hat. Basta! In diesem Fall ist es eine besondere Ehre, dass es sich zudem um Asmodi, den Fürsten der Finsternis, handelt. Es kommt, wie es kommen muss: Coco verliebt sich in einen anderen, erweist sich auch sonst eher als das weiße Schaf innerhalb der Schwarzen Familie  und unternimmt alles, um die Vermählung zu verhindern. Da kommt es gut, dass sie einige Jahre Ausbildung bei einer Hexe hinter sich hat und mittlerweile selbst ganz gut mit magischen Kräften gesegnet ist. Geschildert werden diese Ereignisse in den DÄMONENKILLER-Heften 31 und 32: HEXENSABBAT und DIE STUNDE DER AMEISEN – beide Romane in unnachahmlicher Manier verfasst von Neal Davenport. Diese Romane waren so voller origineller und bizarrer Einfälle, dass innerhalb der Leserschaft schnell der Ruf nach mehr aufkam. Vor allen Dingen die weit verzweigte Familie, der Coco entstammt, bot eine Vielzahl skurriler Charaktere und Möglichkeiten, das Coco Zamis-Universum weiter zu entwickeln, dass es einfach zu schade gewesen wäre, diese  der Vergessenheit anheim fallen zu lassen. Zudem in der Hauptserie – DÄMONENKILLER – diese Familie kaum eine Rolle spielte. In Heft 12 (DAS MÄDCHEN IN DER PESTGRUBE) wurden  sie allesamt von der magischen Pest dahingerafft – in einer Art Handstreich, den allerdings kaum ein Leser Neal Davenport bis heute verziehen hat. So boten denn die Coco Zamis-Romane die einzige Möglichkeit, die Familie zumindest in den Vergangenheitshandlungen wiederaufleben zu lassen.
Insbesondere nach dem durch mehrere Indizierungen beschleunigtem Ende der DÄMONENKILLER-Heftserie wurden die Jugendabenteuer Cocos innerhalb der DÄMONENKILLER-Taschenbuchreihe sporadisch fortgeführt. Der letzte Band dieser Reihe im Jahre 1979 trug den seltsamen Titel COCO UND DER GUMMITOD – danach wurde auch diese Taschenbuchreihe vom Markt genommen. Es sollte – nur unterbrochen von einer nicht weiter erwähnenswerten Zweitauflage im Jahre 1983 zwanzig Jahre dauern, bis sich wieder ein Verlag fand, der die DÄMONENKILLER-Romane und glücklicherweise ab 1999 auch die COCO ZAMIS-Romane von damals nachdruckte. Zur Freude der damaligen Leser gar in Buchform: 1999 erschien mit HEXENSABBAT der erste ´Band der neuen COCO ZAMIS-Reihe. Zum ersten Mal trug eine Serie auch den Namen der Heldin. Neu war der Untertitel: Abenteuer einer jungen Hexe. Neu waren auch die Titelbilder, die eigentlich viel schöner sind als die alten, an die ich mich aber immer noch nicht so recht gewöhnt habe. Irgendwie sieht COCO ZAMIS darauf anders aus, als ich sie mir im Geiste zurechtgeformt habe. Neu war auch, dass in jedem Buch 3 Hefte zusamengefasst wurden. Mit Band 5 war dann auch schon Schluss mit den alten Abenteuern – und damit begannen meine Coco Zamis-Jahre erst so richtig. Dennoch, es war ein weiter Weg von meinem ersten Date mit Coco, das ich als Leser begann und das bis heute mit mir als Exposé-Autor im aktuellen Buch 31, das mittlerweile unter der der neuen Flagge „DAS HAUS ZAMIS“ segelt, noch lange nicht beendet ist …

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